Irgendwie steht die Welt heute neben sich..?

Klar, man wird älter, intoleranter, sturer und dümmer. Gerade als Lehrer ist man natürlich – sozusagen als beruflicher Besserwisser – sehr gefährdet zu allem noch einen berichtigenden Kommentar abgeben zu müssen. Aber heute waren die Irrsinne irgendwie geballt.

Zuerst schreibt die News Nr. 196 vom Donnerstag, dem 09.10.2006 auf Seite 36 (früher auch in einer nichtmehrexistenten Onlineausgabe):

Laut Wikipedia heisst atomar:

Der Begriff atomar (griech.: atomos „unteilbar“) kennzeichnet ein Element, eine Struktur oder einen Sachverhalt, der nicht weiter in seine Bestandteile zerlegbar ist.

DAS müssen ja stabile Knöpfe sein, gar hervorragend Handwerkskunst: Aus einem Teil, ja einem Material gefertigt, unteilbar verbunden bis in alle Ewigkeit! Reschpekt!

Lachend gehe ich weiter, doch schon kreuzt das nächste, verkrampft-originelle Produkt meinen Tunnelblick:

Ein Normaloseppl, Weichei im Gesicht, mit Verlobungsring an den Fingern und haarigen Armen, so richtige einer für die Tochter zum nach Hause bringen, isst Butter. Cool, wohl bekommts, eher mit Gabel oder gar dem Löffel?

Ein anderer Mann, geschminkt, mit (leider sehr schlecht) lackierten Nägeln, rasierten Armen und eigenem Kleidungsstil, isst kein Butter. Die Gründe bleiben leider im Verborgenen; Zu fettig? Schmeckt sie ihm nicht? Allergie?

Die Werbeagentur will aber wohl, dass ich mich entscheide – für den Bünzli oder den Individualisten – und dann muss ich wohl das tun was auf dem Schild steht. Oky, tschau Butter für diese intolerante Weltsicht, ich werde mich weiterhin von Margarine ernähren…

Google AdWords Gutschein: Ätsch, reingelegt

Ich dachte schon, Google hätte mich lieb, da unser aller Übermutter mir nicht eine 1, nicht eine 2, nicht eine 3, sondern sage und schreibe eine konkret krasse 4 als PageRank verliehen hat. Doch das ist vergänglich und geschah wahrscheinlich nur zum Einlullen…

So höret den heutigen Rant von mir:

Es begab sich, dass dem Skaldrom einen 100 CHF Gutschein von AdWords ins Haus geflattert kam. Bei Google AdWords können Anzeigen geschaltet werden, die dann über Google AdSense ausgeliefert werden. Hier auf dem Blog seht Ihr einige von denen. Da ich auch diese Seite der Medaille kennen lernen und meinen Mitanzeigenschaltern die 100 CHF von Google nicht vorenthalten wollte, habe ich den Gutschein eingelöst (dachte ich) und ein paar Anzeigen gemacht. Ich habe wirklich viel gelernt, zum Beispiel wieso die Klickbeträge so uneinheitlich sind und wieso die Anzeigen manchmal komisch gestaltet werden. Die Anzeigen haben den Traffic nicht merklich verändert, aber es war durchaus witzig.

Das böse Erwachen

Nun plötzlich beginnt Google Beträge von meiner Kreditkarte abzubuchen! Nun, keine richtig Grossen, aber immerhin den Gegenwert von zwei, drei Kinobesuchen. Naja, ich dachte dass das wohl ein Irrtum sein muss und meldete mich beim Support.

Ätsch, blöder Skaldrom

Der Support meldet sich in Form eines sehr exotischen Frauenvornamens, der mich und alle meine Sorgen versteht. Er understanded wirklich extrem und meint, ich hätte doch den Code nicht eingegeben.

Doch, habe ich. Als „Beweis“: Es gab eine Aktion in der AdWords Kunden selbst Gutscheine verteilen konnten. Das konnte ich nicht, da ich kein „echter“ Kunde war.

Ja dann müsste ich halt den Code nochmals eingeben. Ja habe ich den denn noch? Ich finde nicht mal mehr meine Sonnenbrille (und die habe ich gestern noch gesehen)!

Der exotische Frauenname understanded auch das, kann aber nichts machen. Ich hab ihm zurückgeschrieben, dass ich extrem not amused bin und habe mit Anwalt gedroht. Was anderes bleibt mir wohl nicht übrig, da eh keine Chancen und ein paar Milliarden zu arm.

Wenn Google genügend Idioten wie mich findet, kann er bald Microsoft kaufen.

Und die Moral von der Geschicht

Adwords Gutschein: Nett anzusehn
Es wird aber mächtig in die Hosen gehn!
Wirst Du auch understanded vom Support
ist die Kohle trotzdem fort!

Und sonst?

Gehts mir gut, danke. Wenn das so weitergeht werd ich echt stinkig und schmeiss alles Googlelige weg :motz: . Das Web gabs vorher schon und es wird auch nachher noch existieren. Don’t do evil! Lach!

Zattooparty: Fundrising auf neuem Niveau

Ok, wir befinden uns auf der Zattooparty, nachdem wir der absolut genialen Beschilderung – bestehend aus verwirrten Leuten mit Google-Maps Ausdrucken in der Hand – gefolgt sind, haben wir sie gefunden: Die Zattooparty.
Zattooparty

Nunja. alle warten… Auf was wohl? Wahrscheinlich die versprochenen Würste. Die Ressourcen (die Location) ist leicht unterdimensioniert. Wenn jeder 10te Schweizer hier auftaucht wird es noch enger.

Es handelt sich wohl um ein verstecktes Fundraising, denn das Bier kostet echt 5 Schtütz! Da bekommt der Ausdruck „Blondes Gold“ echt eine neue Bedeutung.
Blondes Gold
Naja, mal sehen…

Update 19:25: Die Würste sind da und erst noch gratis. Es gebe jemandem dem Pfarrer Sieber Bescheid. Der Senf ist gut aber karg (Meinung von Fabrice de la Croix).

Emma habe ich leider noch nicht gesehen.

Update 19:53: Eine Band spielt. Sehr laut. Wie wäre es mit einer Zattooversion „Ak-hkk sllll-mm thk zn rsss …“? Frage von Fabrice de la Croix: Sendet Zattoo auf klingonisch?

Alle sitzen da, der Senf macht brutal aggressiv und Case fühlt sich trotz iiiiiih-foun 1.0… Er möchte auch bloggen, kann aber nicht, weil er nicht publishen kann mit Safari. Haha, mehr Air denn Fone….

Update 20:46: Die Party nähert sich dem Höhepunkt. Das vierte Bier. Wir haben leider noch kein Abziehbildchen, aber Fabrice de la Croix hat schon mal die Toilette getaggt. Hier ein Foto mit da Maaan der uns ebendieses vierte Bier gebracht hat:
Da Maaan

Update 21:08: Bei Case zuhause ist der elektronische Supergau eingetreten und Fabrice de la Croix braucht drei Zellen um sich zu lokalisieren. Was machen Einzeller in dieser Situation?

Fabrice de la Croix kann mit seinem 1-phone (ja, das i ist eigentlich eine 1) Sound aufnehmen. Hier der Beweis: Die Band die hier performt.

Vielleicht wären die Zattooler lieber auf folgendes Angebot eingegangen (kurz danach am Bahnhof Brugg gefunden):
Nebenjop….. 1000-2000 Fr. in einer woche verdienen  in serjöse art, natel 076xxxxxxx

Fremdposteln 2008: Die Karte ist da!!!

Fremdposteln 2008.gifJuhuu, sie ist Da! Die Fremdposteln 2008 Karte!

Doch halt, lasst mich zuerst mal das Fremdposteln erklären. Das Fremdposteln ist eine Idee von Pia Drießen und ist dieses Jahr das zweite Mal durchgeführt worden. Das Fremdposteln bietet eine Möglichkeit, mal offline neue Menschen und Blogs kennenzulernen und ein Bisschen Platz im Briefkasten zurückzugewinnen, der ansonsten von Werb- und Rechnungen beansprucht wird.
Ablaufen tat es so: Man meldete sich an, gab seine Adresse an Frau Pia und schickte eine Karte mit Porto/Briefmarke in einem Umschlag an Frau Pia. Frau Pia hat dann die Adressen ausgelost, auf die Karten geschrieben und diese wieder auf die Reise geschickt.

Ich habe ein wunderbare Karte von Tine W (http://la-wendel.de) erhalten. Viiiielen lieben Dank Tine!!!

Karte von La-Wendel

Vorne: *guggschduselber*, hinten hats ein schönes Gedicht von Rainer Maria Rilke (Der Panther), welches perfekt zur Abbildung vorne auf der Karte passt.

Juhuu, solche Dinge freuen mich. Ich liebe die Manifestation des Virtuellen. Als einfaches Gemüt mag ich es, Dinge berühren zu können. Von einem Aufruf bei Twitter über das Blog bis hin zu einer Karte, für die jemand hingesessen ist, sich Gedanken gemacht und Zeit investirert hat.

Meine Karte ist auf der Blogwiese gelandet. Somit habe ich zwei neue und schöne Blogs im Reader…

Hoffentlich gibts das 2009 wieder…

Wenn ich so programmieren würde wie Psychiater behandeln…

PsychiaterWenn ich Applikationen so programmieren würde wie die meisten Psychiater die Menschen behandeln, dann …

  • … hätte ich keine konkrete Ahnung, wie Computer tatsächlich funktionieren, nur vage Ideen an Hand der visualisierten Strömchen.
  • … würde ich eine fehlerhafte Applikation immer wieder denselben Fehler machen lassen und ihr dann mittels Powerpoint zeigen, wie es richtig gehen würde, bis sie verlernt den Fehler zu machen.
  • … würde ich die Applikation Zufallsausgaben machen lassen und sie ausgedehnt loben, wenn sie per Zufall die richtigen Zahlen ausspuckt.
  • … würde ich bei neuen Fehlern irgendwann mal die Compliance der Applikation anzweifeln.
  • … würde ich Termine ohne Uhrzeit vereinbaren: Vormittags (heisst „vor 16:00“) oder Nachmittags („am Morgen des nächsten Tages vielleicht“).
  • … würde ich von Montag bis Mittwoch von 10:00 bis 16:00 arbeiten (Morgen-, Mittag- und Nachmittagspause sind auch Arbeit) und 18 Wochen des Jahres mit Ferien und Kongressen verbringen.
  • … würde ich bei einer Fehlermeldung:
    • … die Fehlermeldung wegprogrammieren, nicht die Ursache des Problems.
    • … den Computer einen Vertrag unterzeichnen lassen, dass er die Fehlermeldung nicht mehr bringt.
  • … würde ich bei einer Programmiersitzung zuerst mal hinsitzen und schauen, was sich so während des Tages entwickelt.
  • … würde ich bei einem Bug das Aufstehen, Anziehen, Duschen, Kaffeetrinken, etc. des Programmierers nachstellen, um den Ursprung des Bugs zu ergründen.
  • … würde ich zuerst einen Monat ein Bisschen die eine Programmiersprache versuchen, dann einen Monat eine Andere, einen Monat später wieder die Erste, aber etwas intensiver, dann die Zweite mit einer Dritten kombinieren, …
  • … könnte ich nicht unterscheiden zwischen den verschiedenen Betriebssystemen und würde bei allen dasselbe ausprobieren.
  • … wäre ich überzeugt davon, dass jede noch so komplexe Applikation mit einer Stunde Programmieren pro Woche realisiert werden kann.
  • … würde ich bei schweren Bugs vorschlagen, mit dem Kunden zusammenzusitzen, um Wege zu finden wie er mit der verbuggten Applikation arbeiten kann statt diese zu beheben.
  • … würde es mir im Traum nicht einfallen den Debugger hervorzuholen, sondern ich würde immer wieder unterschiedliche Eingaben machen um die Ausgaben interpretieren zu können.
  • … würde ich die Ausgaben der Applikation nicht wirklich als deren Ausgabe sehen, sondern als Metapher für das, was sie ausgeben möchte, wenn sie denn funktionieren würde. Aus der Differenz würde ich schliessen, in welcher Projektphase Defizite vorhanden waren.

Neue Bücher von oncode.info: STFU und RTFM :)

RTFM – Read the (fine) manual

RTFM

In RTFM wird zuerst auf das Lesen eingegangen. Der Autor zeigt gekonnt, wie mit nur ca. 26 Symbolen ganz verschiedene Informationen codiert werden können. Ziemlich schnell erweitert er diesen Grundsymbolsatz auf die sogenannte Gross- und Kleinschreibung und die Satzzeichen. Geschickt beweist er, dass auch wenn eine dritte, vierte oder n’te Zeile aus denselben Buchstaben besteht, trotzdem noch neue Informationen in diesen vorhanden sein können und es darum nützlich sein kann, alles zu lesen. Etwas mühsam sind die Übungen, bei welchen die Leserin/der Leser lernt, dass Text auch ohne viele Bilder Sinn machen kann.

Fast in das Thema des untenstehenden Buches gehen die Konzentrationsübungen, in welchen eher autosuggestiv vermittelt werden soll wie man bei einem Problem nicht sofort herumschreit und wahllos Mails verschickt, sondern ruhig und gefasst nach weiteren Informationen sucht.

Relativ umfangreich wird auf die einzelnen FMs eingegangen: Gedruckte Manuals, README Dateien, Onlinehilfen, Produktwebseiten, etc. Auch generische Informationsquellen kommen zum Zuge: Der Autor versucht dem Wissen „Google weiss alles“ etwas Pragmatik folgen zu lassen und zeigt auf, dass Google teilweise auch Praktisches beinhaltet.

Weniger gelungen sind die Kapitel über das Fragen, wenn keine FM da sind. Der Autor schlägt vor, sich Fragen aufzuschreiben und sie nicht einfach dem Nächstbesten, sondern jemandem ganz gezielt zu stellen. Dies ist wirklich harte Kost und hätte besser in ein Buch für Fortgeschrittene gepasst.

STFU And GBTW – Shut the fuck up and get back to work

STFU and GBTW

Obwohl dieses Buch auf den ersten Blick sehr technisch anmutet, will der Autor sehr viel Zwischenmenschliches vermitteln. Diese Aussagen sind zugleich eine Stärke und eine Schwäche des Buches. Die Thesen leuchten vielleicht auf den ersten Blick ein, jedoch bleibt der Schreiberling uns viele Beweise dafür schuldig.

Die Grundaussagen sind die Folgenden:

  • Wenn jemand ein Büro/Arbeitsraum betritt, muss er nicht alle und jeden persönlich begrüssen.
  • Wenn jemand ein Büro/Arbeitsraum betritt, muss er nicht über alles und jedes einen Kommentar abgeben.
  • Man muss trotz Twitter nicht jeden Gedanken ausformulieren und vor sich hinbrabbeln.
  • Man kann auch gewisse Dinge tun (Kaffee machen, Blätter kopieren, …) ohne dass man das Dafür und Dawider in einer spontanen Runde besprechen muss.
  • Spricht man mit jemandem, so darf man damit durchaus mal wieder aufhören. Es wäre sogar ok, nicht nur von sich zu sprechen und den Anderen auch mal zu Wort kommen zu lassen.

Etwas sehr elitär sind die Thesen, dass es machmal wichtiger sein kann zu arbeiten als der Beschreibung des vorletzten Furzes, den die 3. Tochter auf dem Wanderausflug am Wochenende von sich gegeben hat, zu lauschen! Ich sage nur: Beweisebeweisebeweise!

Gegen Schluss versteigt er sich sogar in der Aussage, dass es vielleicht sein könnte, dass gewisse Mitarbeiter nach getanem Tageswerk für ein paar Minuten alleine sein und nicht auf der ganzen Heimfahrt von der Arbeit sprechen möchten. Es könnte ein deutliches Zeichen sein, wenn sich diejenigen alleine irgendwo hinsetzen.

Es wird sich zeigen ob diese Vorschläge praktisch wirklich Sinn machen oder ob es sich um ein weiteres Getting Things Done handelt…

Impressum

Bücher geduckt mit dem oreillymaker.com.

Computer sind scheisse – Oder die Vorteile des Schafzüchtens

Egal wie man zu Computern steht, den Meisten ist das breite Gefühlsspektrum wohlbekannt das Computer erzeugen können; von freudiger Erregung die leicht in Entzücken ausartet bis hin zu abgrundtiefem Hass und Verachtung. Doch ein Gefühl ist mir neu: Ekel. Mich schauderts, aber nicht ob den Brosamen in der Tastatur die alsbald von selbst ihren Kaffeetümpel verlassen werden, auch nicht ob den gruftigen Staubfetzen die munter aus dem Ventilatorschacht tentakeln. Ebenfalls sind die täglichen Abstürze (nananah, Ruhe dahinten, auch Unix/Linux hängt ab und zu!), vermurkste Backups, spezifikationsfremdes Verhalten und andere Widrigkeiten nicht genug, meine eiserne Ruhe gegenüber dem Möchtegernehirn zu brechen. Nein, es ist das Ding das wir aus dem Computer gemacht haben, der Computer an sich von A wie Aufstarten bis hin zu Z wie Zentraleinheit (oder „Zieh mal da, tut sich jetzt was?“).
Lasst uns bei der Hardware beginnen. Vorbei die Tage als man noch wusste was schnell und gut ist: Intel sagt Megaherz, Apple sagt FLOPS. AMD sagt Quantispeed, Intel sagt SSE, die Büroklammer meint Arbeitsspeicher, Via meint Systembus. Hans meint SCSI, Fritz sagt Dell, und mein Bauch sagt „guter Support“. Aus sind die Zeiten wo man mit stoltzgeschwellter Brust seinen Computer tätschelnd leise in den Diskettenschlitz flüstern konnte, wie schnell er doch sei und wie stolz man auf ihn ist. Erstens weiss man nicht, ob er denn wirklich schnell ist, zweitens ist noch vor dem Auspacken ein schnelleres Modell auf dem Markt und drittens haben einige Computer gar keinen Floppyschlitz mehr.
Die Prozessoren haben Fehler, die PCI-Steckplätze sind wählerisch, die RAMs tun eitel wenn es um die Zusammenarbeit geht und die Settings im BIOS kann sowieso niemand mehr überblicken. Gehen wir der Einfachheisthalber davon aus, dass wir einen lauffähigen Computer vor uns haben, einen zugeschraubten, mit Garantiesiegel versehenen, der immerhin noch ein kleines, neidisches „Dasundas wäre aber besser gewesen“ bei den Kollegen hervorruft. Und gehen wir davon aus, dass nichts kaputt geht, denn kostenpflichtige Preisauskünfte, Pauschalpreise und Servicenummern die an Informationsgehalt nicht viel mehr absondern als andere Nummern mit derselben Vorwahl, die aber erst nach Mitternacht beworben werden dürfen, reichen normalerweise völlig aus um einen wohlgesonnenen Menschen nach Neuseeland zu treiben (wo er sich dann mit Schafezüchten beschäftigen wird).
Wir dürfen dann ein Betriebssystem auswählen (auch dieses Privileg muss man sich erkämpfen). Das eine Betriebssystem weiss alles besser. Es weiss wo ich meine Dateien hinschreiben und womit ich im Internet suchen will, was für Musik ich hören möchte und welche Programme ich nicht brauche. Es weiss sogar, wann ich genügend gearbeitet habe, denn dann verabschiedet es sich und simuliert Nacht auf dem Monitor. Ich kann nichts mehr ändern am System, denn es weiss es besser und stellt es bei Gelegenheit wieder zurück. Bäh. Sowas ist nicht nett. Wenn dieses Betriebssystem ein Mensch wäre, würde ich ihn meiden, ganz bestimmt.
Das zweite Betriebssystem weiss nicht soviel. Es lässt mich alles selber konfigurieren. Stundenlang, tagelang, wochenendelang, feierabendlang. Ist es so wie es gefällt, ist alles veraltet und eine neue Version der Programme ist angesagt. Repeat. Wenn dieses System ein Mensch wäre, würde ich ihn nicht verstehen, obwohl ich in sein innerstes kucken kann.
Es gibt auch noch andere, zugegeben, aber wieviele Betriebssysteme erträgt ein Mensch? Man sollte alle zu der armen Seele nach Neuseeland schicken.
Egal ob Betriebssystem oder Applikation, der Umgangston ist schlimmer als unter Schafszüchtern: „Do you want to reboot now?“. Nein, natürlich nicht, aber was bleibt mir anderes übrig. „Sind sie sicher?“, wenn mir diese Frage alle 3 Minuten gestellt wird, verwundert es denn, wenn mein Selbstbewusstsein zum Teufel geht?
Programmieren habe ich immer als etwas elegantes empfunden. Algorithmik: suche einen guten Weg, formuliere eine Lösung. Das funktioniert ideal im Labor, doch versagt bei richtigen Programmen. Es ist allgemein anerkannt und sogar respektiert wenn mit wichtigem Blick gesagt wird „Alle Programme haben Fehler“. Wie wird die Zeit abgeschätzt die ein Informatikprojekt braucht? Nein, kein Publikumsjoker, ich sage es: Schätzung des kompetenten Mitarbeiters mal zwei plus zehn Prozent. Ist DAS eine erwachsene Wissenschaft. Oder – lachen verkneifen – gar eine exakte Wissenschaft? Ist es da noch eine Freude zu programmieren? Fragen sie jemanden nach einer kurzen Erklärung für COM. Lesen Sie die Einführung eines beliebigen Buches zu COM in dem ein Überblick gegeben wird. Und, häh? Das treibt uns nicht nur nach Neuseeland, sondern reicht sogar um die Schafe dort zum Weinen zu bringen.
Objektorientiertheit, objektorientiertheit, höre ich die Studenten singen. Sehen Sie sich 80% der Objekte eines Projektes an und stellen Sie sich diese als reale Dinge vor. Huh, ein IPCallBack läuft durch die Wohnung. Bitte steh nicht auf mein DirValidator. Ja, das vereinfacht den Durchblick ganz extrem. Klar wie Schafssch… nee?
Und mit was programmieren wir denn? En Vogue ist es im Moment, Ausgaben in einem Programm über das Netzwerk anzusehen von einem Programm welches ein Script interpretierte, das einen Interpreter benötigt, der mit einer Sprache geschrieben wurde die einen Compiler benötigte, welcher sich selbst und das Betriebssystem braucht, welches ein Programm im ROM (und den Compiler) benötigt das wiederum Kleinstcode im Prozessor benötigt. Cool man, es sind doch nur Nullen und Einen! Kein Mensch kann heute mehr ein richtiges Programmierprojekt von Anfang bis Ende überblicken. Kein Mensch kann sich mit mehr als einem 13Mikrometer grossen Teilgebiet der Informatik beschäftigen. Niemand hat den Über- und den Durchblick. Alle wursteln.
Und diejenigen die auf alles eine Antwort haben, sollte man zuletzt fragen, noch nachdem man seine Schafe konsultiert hat.
Installiert man ein „fertiges“ Programm, gilt es sich durch die EULA oder Lizenzvereinbarungen zu kämpfen. Buchstaben aneinandergereiht, Zeile für Zeile Juristengeschwätz. Nicht fundiert und bewiesenermassen voller Lügen. Wir lesen das ja immer SORGFÄLTIGST und STIMMEN ZU. Was ist, wenn ganz unten ganz klein gestanden hat „Der Verwender verpflichtet sich, ab jetzt bei jedem Vollmond mit irrem Grinsen um sein Haus zu tanzen“? Lacht nicht, es gibt schlimmeres das da steht.
Haben Sie gewusst dass Ihnen ein Programm nicht gehört dass Sie gekauft haben? Denn dann dürften Sie es Kopieren und zerstören oder was Ihnen sonst so einfällt. Doch das ist verbotener als verboten.
Kein Gemotze ohne Verteidigung der Privatsphäre: Viele Leute können ohne grosse Mühe herausfinden was ich wo einkaufe, wann ich meinen Computer ein und ausschalte, mit wem ich Kontakt pflege, was und wie und für wieviel ich arbeite, etc. SO IST ES klingeling DAS IST KEINE ZUKUNFTSMUSIK. ’nuff said.

Ich ekle mich vor dem Computer. Er macht aus mir ein Monster das Scheusslichkeiten wie „gerebootet“, „Task“ und „synchronisieren“ im aktiven Wortschatz hat. Es lässt mich Abends erkennen, dass ich nicht weiss welchen Tag in welchem Monat wir haben und was für Wetter draussen war. Er lässt mich an der Kasse warten. Er lässt mich sauer werden auf Leute, welche länger als 42 Sekunden am EC Bankomaten brauchen. Er lässt mich ständig an mir selber zweifeln und mein Wissen vergehen. Schauder.

Was sind die letzten Worte eines Informatikers: „Ich bleibe hier bis es funktioniert“. Wäre er doch besser nach Neuseeland Schafe züchten gegangen.