Ich will sie alle: Informatikzertifikate und -kätchen

CertificationEigentlich ist ja heute der Weltuntergang (made in Switzerland) angesagt. Ob er schon stattgefunden hat kann man übrigens mit der Website Has the Large Hadron Collider destroyed the world yet? überprüfen.

Diese meine letzten Stunden möchte ich nutzen, um über die Erfahrungen mit Zertifikaten und der Vorbereitung darauf festzuhalten. Was tut man, wenn man im Leben weiterkommen will? Richtig, man heiratet gut und reich. Was macht man wenn man hässlich ist? Richtig: Eine Ausbildung. Was, wenn man dafür zu blöd ist und die Schnauze noch voll hat von einer psychosozialaktiven biologisch abbaubaren lasstunseinanderspürenden Lehramtsausbildung? Richtig: Ein Zertifikat. Und wenn man viel zu viel Schlaf und Zeit hat? Richtig: Viele Zertifikate… :denken:

Ausserdem macht der Adrenalinkick süchtig 😀 … Darum hier die Erfahrung mit ECDL, LPIC, ZCE und Kollegen…

ECDL Examiner und ECDL Advanced Examiner

Die ECDL Prüfungen bescheinigen grundlegende Kenntnisse über Anwendungsprogramme, das Betriebssystem und das Internet. Sie sind modularisiert und jeder Teil wird separat geprüft. Unsere Schule ist Prüfungscenter und bietet Lehrpersonen und Berufslernenden an, die Module über ein webbasiertes Prüfungssystem bei uns zu absolvieren. Zur Abnahme dieser Prüfungen braucht es Examiner (die die URL des Testsystems in den Browser eingeben *lach*).

Die Zertifikatsprüfung habe ich als sehr gute Sache in Erinnerung. Ein Experte von ECDL kam an einem Samstag an unsere Schule und hat uns eine Einführung in das Prüfungssystem gegeben. Danach konnten wir Testprüfungen absolvieren und individuell die ECDL Prüfungen machen. Eine nach der Anderen, im eigenen Rhythmus. Dem Umstand, dass ich ohne Essen und soziale Kontakte auskomme ist es zu verdanken, dass ich gerade noch die Advanced Tests anhängen konnte.

Genial war dabei auch, dass die Officeprogramme als Objekt in die Prüfungsfragen eingebettet wurden. Die Lösungen wurden so wirklich und echt in Excel, Word, … gelöst und wie bei der „richtigen“ Arbeit auch standen alle Hilfsmittel zur Verfügung. So müssten eigentlich alle Zertifikate sein.

LPIC-1

LPIC-1LPIC sind vom Linux Professional Institute angebotene Linuxzertifikate. Es gibt drei Stufen: LPIC 1 bis LPIC 3, wobei zum Erreichen einer Stufe jeweils zwei Prüfungen bestanden werden müssen. LPIC-1 braucht Prüfung 101 und 102. Ein Zertifikat einer erreichten Stufe ist jeweils für 5 Jahre gültig.

Die Fragen sind closed-book (ohne Unterlagen und ohne System zum Testen) und entweder mit Kurzantworten oder Multiple Choice (meistens mit Angabe der Anzahl richtigen Lösungen). Die Lernziele sind auf der LPI Website ersichtlich. Die Fragen selbst werden stetig aktualisiert.

Beim Erreichen einer Stufe gibts ein schönes Diplom und ein Kreditkartenähnliches etwas.

Prüfung 101

101 habe ich persönlich als viel schwieriger empfunden als die 102. Es werden beispielsweise Parameter von grep erfragt und auch sonst braucht es ein sehr breites Wissen aus vielen Bereichen. Ich habe ziemlich geschwitzt bevor ich den Absenden Button gedrückt habe.

Die Prüfung 101 habe ich online mit dem VUE-System in einem Prüfungscenter abgelegt. Das ist genial, denn es können individuell Zeit und Ort vereinbart werden, man geht hin, macht die Prüfung und kriegt das Resultat gerade anschliessend zur Prüfung (und je nach Center noch einen Kaffee 🙂 ).

Prüfung 102

Die Prüfung 102 ist dann schon näher beim Administrationsbereich. Auch hier muss man teilweise ziemlich detaillierte Dinge (wie zum Beispiel Port-Nummern) auswendig wissen.

Unsere Schule ist ein LPI-Prüfungsort und bietet zu gewissen Terminen die LPI-Prüfungen auf Papier an. Man malt dann mit schönen LPI-Bleistiften (die man anschliessend behalten darf 🙂 ) die (hoffentlich korrekten) Antworten auf den Prüfungsbogen an, die dann zum Schluss eingezogen werden. Gerüchteweise werden die Prüfungen dann nach Kanada zur Korrektur geschickt. Nach ein paar Wochen hatte ich das Resultat per Email und das Zertifikat in der Post.

Was hat geholfen

Neben Beschäftigung mit Linux selbt, habe ich mich mit zwei Büchern beschäftigt: LPIC-1. Vorbereitung auf die Prüfung des Linux Professional Institute von Open Source Press, das teilweise sehr konkrete hinweise auf die Prüfungsfragen enthält wenn man etwas zwischen den Zeilen lesen kann und LPI Linux Certification in a Nutshell. Zweiteres erschlägt wirklich alles, es muss ja eine riiiesen Nuss sein mit einer solchen Shell.

Online haben mir das http://www.lpi-test.de (mittlerweile offline) und die LPI-Academy mit den Prüfungssimulationen sehr geholfen. Absolut empfehlenswert. (Hinweis: Durch eine Weiterleitung versemmelt die Academy einen 5er PageRank, autsch).

Zend Certified Engineer (PHP5)

Die Prüfung

Zend PHP 5 Certified EngineerZend bietet das Zertifikat zum Zend Certified Engineer (ZCE) an, und in Bälde wird eine Zertifizierung zum Zend-Framework dazukommen. Die Prüfung ist wie das LPIC mit Multiple Choice / Kurzantworten und auf dem VUE System aufgebaut.

Es ist teilweise schon eher tricky, denn man muss zum Teil detailliert die Funktionen und deren Parameter kennen (String, Patternmatching, Array). Das sieht man doch im normalen Alltag eh auf php.net nach! Weitere Gebiete sind die drei verschiedenen Arten, wie man MySQL ansteuern kann (mysql, mysqli und adodb), die neuen PHP-Features, Streams, XML (SAX, DOM und SimpleXML), … Wobei die Fragen zum Unterschied zu PHP4 (ein Programm ist vorgegeben und dann wird gefragt was bei den jeweiligen Versionen herauskommt) dann die absolute Krönung sind. Viele Fragen haben sich um den &-Operator gedreht. Was kommt raus wenn er vor der Funktion und den Parametern, beim Aufruf und weissauchnichtwo steht.

Ich habe die Prüfung auf deutsch abgelegt, das war nicht optimal. Lernt man auf Englisch, dann muten die deutschen Übersetzungen etwas gewöhnungsbedürftig an. Ebenfalls hatte es Fehler wie ein Backslash am Rande der Applikation, der wahrscheinlich bei der englischen Version auf Grund der grösseren Verbreitung eliminiert wurde. Ebenfalls problematisch waren Fragen, deren Antworten sich zwischen 5.0 zu 5.3 geändert haben; SimpleXML hat sich zum Beispiel weiterentwickelt und kann nun Dinge, die es in früheren 5er Versionen noch nicht konnte. Ausserdem kamen etwa drei mal die Fibonacci Zahlen, aber stets falsch implementiert 🙂 .

Ich war jedenfalls ziemlich froh, die Prüfung bestanden zu haben. Leider sieht man nirgends, mit wievielen Prozent man bestanden hat.

Interessant finde ich die Zend Yellow Pages, wo man als ZCE aufgeführt wird. Das ist echt eine gute Idee, die viel Mehrwert und wenig Aufwand mit sich bringt. Das peppige ZCE Logo ist ebenfalls ein netter Gag :).

Was hat geholfen

Sehr geholfen haben mir auf jeden Fall die Mock Tests von php|architect (die mittlerweile offline sind). Leute mit ohne Geld sollten sich mal die ganze Serie auf dem readtheweb Blog reinziehen (oder am Wettbewerb unten teilnehmen). Carlton Dickson hat eine Auflistung von weiteren Erfahrungsberichten.

Zum Lesen habe ich mir das PHP|Architect’s Zend PHP 5 Certification Study Guide besorgt. Das ist ja ganz nett, geht aber nie und nimmer in die von der Zertifikatsprüfung verlangte Tiefe. Es eignet sich aber als Ausgangspunkt. Das Zend PHP Certification Practice Test Book beinhaltet Fragen, die denen im Zertifikat recht ähnlich sind. Leider halt nur für PHP 4.

Nächste Projekte

Ja, was man hat erscheint nichts wert, stetig muss es vorwärts gehen. Meine nächsten Ziele sind der Sun Certified Java Programmer, LPIC-2 und das Latinum (ja, echt!).

Wettbewerb

Ich habe noch 2 Credits frei für php|architect ZCE Mock-Tests. Ich werde sie im Laufe des nächsten Monats unter allen nicht-nofollow Trackbacks zu diesem Artikel verlosen sofern Interesse besteht 🙂 . Viel Glück!

10 Gedanken zu “Ich will sie alle: Informatikzertifikate und -kätchen

  1. Du hast meinen Respekt für die vielen Zertifikate und den Ergeiz noch mehr zu machen. Aber eines verstehe ich nicht. Du willst ein Latinum machen? Das habe ich in der Schule freiwillig gemacht und weiß heute nicht für was ich das überhaupt mal gebrauchen könnte.

  2. @Dirk Danke für die Blumen *blush*.
    Wegen dem Latinum; Es gibt einige Studienbereiche die man – dank des kleinen Aufwandes – berufsbegleitend studieren kann, die bei uns immernoch ein „Latinum“ voraussetzen. Witzigerweise gibt es in der Schweiz kein eigentliches „Latinum“ wenn ich richtig informiert bin. Um den Aufwand zu serialisieren, möchte ich nun zuerst Latein lernen und danach das Studium beginnen… Oder steht Dein Latinum zum Verkauf wenn Du es nicht (mehr) brauchst 😀 ?

  3. Toller Artikel, schön wenn Leute ihre Erfahrungen mit Zertifikaten weitergeben.
    Ich habe LPIC-1 abgelegt( Leider nur 101 bestanden). 102 werde ich sobald wie möglich nachholen. Ich empfinde die LPIC-1 Prüfungen sehr ähnlich wie du Sie beschrieben hast. Nur ist 102 für junge Informatiker ohne funiertes TCP-IP Wissen ein Alptraum. Das war auch der Grund, warum ich nicht bestanden habe. Für den nächsten Versuch muss ich mein TCP-IP Wissen aufbauen und mich näher mit Bind beschaffen. Was ich an der Prüfung allerdings als absoluter Witz empfand ist das Thema Sendmail. Man könnte es nun wirklich mit Postfix ersetzen.
    Wie auch immer jede Zertifizierung hat ihre Tücken. Es geht darum diese im vorrein zu erkennen und darauf vorbereitet zu sein. Ich hoffe ich kann bald auch mein LPIC-1 Zertifikat in den Händen halten und stolz darauf sein. 😀

  4. @Ncorpse Hey, schönes Blog, dass Du da hast! Bin sehr gespannt auf weitere Artikel. BIND ist als Bereich wirklich etwas fremd, auch die Frage nach den Websites, naja… Aber es ist halt wie bei allen Zertifikaten.

    Ich wünsche Dir viel Glück beim nächsten Durchgang!!!

  5. Ein bischen Zeit bleibt uns doch noch… 3 Monate genau. Und dann macht es bummmmmm
    —-

    Hmm komisch ist gar nix passiert…

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