Computer sind scheisse – Oder die Vorteile des Schafzüchtens

Egal wie man zu Computern steht, den Meisten ist das breite Gefühlsspektrum wohlbekannt das Computer erzeugen können; von freudiger Erregung die leicht in Entzücken ausartet bis hin zu abgrundtiefem Hass und Verachtung. Doch ein Gefühl ist mir neu: Ekel. Mich schauderts, aber nicht ob den Brosamen in der Tastatur die alsbald von selbst ihren Kaffeetümpel verlassen werden, auch nicht ob den gruftigen Staubfetzen die munter aus dem Ventilatorschacht tentakeln. Ebenfalls sind die täglichen Abstürze (nananah, Ruhe dahinten, auch Unix/Linux hängt ab und zu!), vermurkste Backups, spezifikationsfremdes Verhalten und andere Widrigkeiten nicht genug, meine eiserne Ruhe gegenüber dem Möchtegernehirn zu brechen. Nein, es ist das Ding das wir aus dem Computer gemacht haben, der Computer an sich von A wie Aufstarten bis hin zu Z wie Zentraleinheit (oder „Zieh mal da, tut sich jetzt was?“).
Lasst uns bei der Hardware beginnen. Vorbei die Tage als man noch wusste was schnell und gut ist: Intel sagt Megaherz, Apple sagt FLOPS. AMD sagt Quantispeed, Intel sagt SSE, die Büroklammer meint Arbeitsspeicher, Via meint Systembus. Hans meint SCSI, Fritz sagt Dell, und mein Bauch sagt „guter Support“. Aus sind die Zeiten wo man mit stoltzgeschwellter Brust seinen Computer tätschelnd leise in den Diskettenschlitz flüstern konnte, wie schnell er doch sei und wie stolz man auf ihn ist. Erstens weiss man nicht, ob er denn wirklich schnell ist, zweitens ist noch vor dem Auspacken ein schnelleres Modell auf dem Markt und drittens haben einige Computer gar keinen Floppyschlitz mehr.
Die Prozessoren haben Fehler, die PCI-Steckplätze sind wählerisch, die RAMs tun eitel wenn es um die Zusammenarbeit geht und die Settings im BIOS kann sowieso niemand mehr überblicken. Gehen wir der Einfachheisthalber davon aus, dass wir einen lauffähigen Computer vor uns haben, einen zugeschraubten, mit Garantiesiegel versehenen, der immerhin noch ein kleines, neidisches „Dasundas wäre aber besser gewesen“ bei den Kollegen hervorruft. Und gehen wir davon aus, dass nichts kaputt geht, denn kostenpflichtige Preisauskünfte, Pauschalpreise und Servicenummern die an Informationsgehalt nicht viel mehr absondern als andere Nummern mit derselben Vorwahl, die aber erst nach Mitternacht beworben werden dürfen, reichen normalerweise völlig aus um einen wohlgesonnenen Menschen nach Neuseeland zu treiben (wo er sich dann mit Schafezüchten beschäftigen wird).
Wir dürfen dann ein Betriebssystem auswählen (auch dieses Privileg muss man sich erkämpfen). Das eine Betriebssystem weiss alles besser. Es weiss wo ich meine Dateien hinschreiben und womit ich im Internet suchen will, was für Musik ich hören möchte und welche Programme ich nicht brauche. Es weiss sogar, wann ich genügend gearbeitet habe, denn dann verabschiedet es sich und simuliert Nacht auf dem Monitor. Ich kann nichts mehr ändern am System, denn es weiss es besser und stellt es bei Gelegenheit wieder zurück. Bäh. Sowas ist nicht nett. Wenn dieses Betriebssystem ein Mensch wäre, würde ich ihn meiden, ganz bestimmt.
Das zweite Betriebssystem weiss nicht soviel. Es lässt mich alles selber konfigurieren. Stundenlang, tagelang, wochenendelang, feierabendlang. Ist es so wie es gefällt, ist alles veraltet und eine neue Version der Programme ist angesagt. Repeat. Wenn dieses System ein Mensch wäre, würde ich ihn nicht verstehen, obwohl ich in sein innerstes kucken kann.
Es gibt auch noch andere, zugegeben, aber wieviele Betriebssysteme erträgt ein Mensch? Man sollte alle zu der armen Seele nach Neuseeland schicken.
Egal ob Betriebssystem oder Applikation, der Umgangston ist schlimmer als unter Schafszüchtern: „Do you want to reboot now?“. Nein, natürlich nicht, aber was bleibt mir anderes übrig. „Sind sie sicher?“, wenn mir diese Frage alle 3 Minuten gestellt wird, verwundert es denn, wenn mein Selbstbewusstsein zum Teufel geht?
Programmieren habe ich immer als etwas elegantes empfunden. Algorithmik: suche einen guten Weg, formuliere eine Lösung. Das funktioniert ideal im Labor, doch versagt bei richtigen Programmen. Es ist allgemein anerkannt und sogar respektiert wenn mit wichtigem Blick gesagt wird „Alle Programme haben Fehler“. Wie wird die Zeit abgeschätzt die ein Informatikprojekt braucht? Nein, kein Publikumsjoker, ich sage es: Schätzung des kompetenten Mitarbeiters mal zwei plus zehn Prozent. Ist DAS eine erwachsene Wissenschaft. Oder – lachen verkneifen – gar eine exakte Wissenschaft? Ist es da noch eine Freude zu programmieren? Fragen sie jemanden nach einer kurzen Erklärung für COM. Lesen Sie die Einführung eines beliebigen Buches zu COM in dem ein Überblick gegeben wird. Und, häh? Das treibt uns nicht nur nach Neuseeland, sondern reicht sogar um die Schafe dort zum Weinen zu bringen.
Objektorientiertheit, objektorientiertheit, höre ich die Studenten singen. Sehen Sie sich 80% der Objekte eines Projektes an und stellen Sie sich diese als reale Dinge vor. Huh, ein IPCallBack läuft durch die Wohnung. Bitte steh nicht auf mein DirValidator. Ja, das vereinfacht den Durchblick ganz extrem. Klar wie Schafssch… nee?
Und mit was programmieren wir denn? En Vogue ist es im Moment, Ausgaben in einem Programm über das Netzwerk anzusehen von einem Programm welches ein Script interpretierte, das einen Interpreter benötigt, der mit einer Sprache geschrieben wurde die einen Compiler benötigte, welcher sich selbst und das Betriebssystem braucht, welches ein Programm im ROM (und den Compiler) benötigt das wiederum Kleinstcode im Prozessor benötigt. Cool man, es sind doch nur Nullen und Einen! Kein Mensch kann heute mehr ein richtiges Programmierprojekt von Anfang bis Ende überblicken. Kein Mensch kann sich mit mehr als einem 13Mikrometer grossen Teilgebiet der Informatik beschäftigen. Niemand hat den Über- und den Durchblick. Alle wursteln.
Und diejenigen die auf alles eine Antwort haben, sollte man zuletzt fragen, noch nachdem man seine Schafe konsultiert hat.
Installiert man ein „fertiges“ Programm, gilt es sich durch die EULA oder Lizenzvereinbarungen zu kämpfen. Buchstaben aneinandergereiht, Zeile für Zeile Juristengeschwätz. Nicht fundiert und bewiesenermassen voller Lügen. Wir lesen das ja immer SORGFÄLTIGST und STIMMEN ZU. Was ist, wenn ganz unten ganz klein gestanden hat „Der Verwender verpflichtet sich, ab jetzt bei jedem Vollmond mit irrem Grinsen um sein Haus zu tanzen“? Lacht nicht, es gibt schlimmeres das da steht.
Haben Sie gewusst dass Ihnen ein Programm nicht gehört dass Sie gekauft haben? Denn dann dürften Sie es Kopieren und zerstören oder was Ihnen sonst so einfällt. Doch das ist verbotener als verboten.
Kein Gemotze ohne Verteidigung der Privatsphäre: Viele Leute können ohne grosse Mühe herausfinden was ich wo einkaufe, wann ich meinen Computer ein und ausschalte, mit wem ich Kontakt pflege, was und wie und für wieviel ich arbeite, etc. SO IST ES klingeling DAS IST KEINE ZUKUNFTSMUSIK. ’nuff said.

Ich ekle mich vor dem Computer. Er macht aus mir ein Monster das Scheusslichkeiten wie „gerebootet“, „Task“ und „synchronisieren“ im aktiven Wortschatz hat. Es lässt mich Abends erkennen, dass ich nicht weiss welchen Tag in welchem Monat wir haben und was für Wetter draussen war. Er lässt mich an der Kasse warten. Er lässt mich sauer werden auf Leute, welche länger als 42 Sekunden am EC Bankomaten brauchen. Er lässt mich ständig an mir selber zweifeln und mein Wissen vergehen. Schauder.

Was sind die letzten Worte eines Informatikers: „Ich bleibe hier bis es funktioniert“. Wäre er doch besser nach Neuseeland Schafe züchten gegangen.

2 Gedanken zu “Computer sind scheisse – Oder die Vorteile des Schafzüchtens

  1. Pingback: Linux-Benutzung » Re: Linux ist Teufelswerk, war Re: Linux wird sterben….. - Debatte um Linux im Bundestag verschärft…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.